Jena: Ein Rückblick

Unsere Arbeitsweise

Hier findet ihr kurze Beschreibungen zu vergangenen Projekten, Veranstaltungen und Kämpfen des Frauen*Streiks Jena. Doch der Frauen*Streik (in Jena) organisiert bewusst nicht nur einzelne Aktionen und mobilisiert nicht nur zu konkreten Ereignissen. Vielmehr versuchen wir langfristig mit verschiedenen Menschen in Kontakt zu treten, voneinander zu lernen und uns (zu konkreten Themen) zu vernetzen. All diese Arbeit passt nicht in die nachfolgende Auflistung, denn dahinter stehen beispielsweise viele Gespräche und (Selbst-)Reflexion, die auch teilweise in ihrem Ergebnis erst einmal keine konkrete Sichtbarkeit aufweisen. Aber genau diese Arbeitsweise ist uns wichtig. Denn genau diese ermöglicht es beispielsweise erst, an einem Thema längerfristig zu arbeiten und einen weiteren Planungshorizont zu entwickeln, aber auch tiefer an gesellschaftlichen Problemen zu arbeiten und Vertrauen zueinander aufzubauen.

Momentan sind wir noch dabei, die nachfolgende Auflistung kontinuierlich zu bearbeiten und zu erweitern. Wir freuen uns darauf, bald zusammen auf die vergangenen zwei Jahre des Frauen*Streiks in Jena zu blicken – um Bestärkung aus diesen Erfahrungen zu ziehen und aus unserer eigenen Arbeit zu lernen.

30. September 2020: Kundgebung anlässlich der Gesundheitsminister[*innen]konferenz

10. September 2020: Drittes Sozialpolitisches Forum

Am 10. September 2020 fand anknüpfend an die ersten beiden Veranstaltungen das dritte Sozialpolitische Forum statt, das einen Raum in der Öffentlichkeit schaffen sollte, um miteinander ins Gespräch zu kommen. [Eine Beschreibung der ersten beiden Foren findet ihr in unserem Rückblick am 11. und am 20. Juni 2020.] Anlass für diese Veranstaltungsreihe war die Krise um Corona. Doch es ging und geht keineswegs nur um diese, sondern um die generelle Frage, welche Gesellschaft wir uns wünschen: Was soll während und nach der Krise anders werden als vorher? Neben einem Austausch darüber, welche Veränderungen es bedarf, standen auch die Methoden für relevante Veränderungen im Fokus. Denn es braucht Vernetzung über einzelne Kämpfe hinaus, es braucht ein gemeinsames Lernen voneinander und miteinander. Denn trotz oder gerade wegen der Krise müssen wir zusammen in die Offensive gehen.

Dieses Mal berichteten die IG Metall, die Bürgerinitiative für soziales Wohnen in Jena und Fridays for future von ihren Kämpfen und von ihren Erfahrungen. Wichtig bei diesem Austausch waren folgende Fragen: Was sind unsere Ziele und Methoden, diese zu erreichen? Was machen wir anders als vor 5 Jahren, welche Lernmomente hatten wir innerhalb der eigenen Gruppe? Wie motivieren wir Menschen, bei uns in der Gruppe mitzumachen?

Das Frauen*Streik Bündnis in Jena ist Teil der Vorbereitungsgruppe der Sozialpolitischen Foren. Bei der zweiten Veranstaltung (30. Juni 2020) stellte es die Ziele, Methoden und Organisationsstrukturen vor. Die Vorbereitungsgruppe freut sich über Gruppen, die gerne selbst eigene Erfahrungen mit in dieses Format rein tragen möchte. Durch einen gemeinsamen Austausch können wir voneinander lernen, neue Perspektiven entwickeln, uns gegenseitig solidarisch kritisieren und aneinander anknüpfen. Meldet euch also gerne unter unserer Adresse: frauen_streik-jena@riseup.net.

15. Juli 2020: Übergabe der Petition „Für mehr Personal und finanzielle Mittel für Kindertagesstätten in Thüringen“

Nachdem innerhalb kürzester Zeit über 1700 Menschen in Thüringen die Petition unterschrieben, fand am 15. Juli 2020 die Übergabe dieser an den Bildungsminister und den Landtag statt. [Siehe hierzu auch die Rückblick vom 3. Juli 2020.] Um die Situation in den Kindertagesstätten und die sich daraus ergebenden Forderungen in der Petition zu vermitteln, organisierte die AG Unbezahlte/ Bezahlte Sorgearbeit zusammen mit den anderen Akteur*innen eine eindringliche Aktion.

So kam das kunterbunte Banner mit der Forderung „Mehr Personal für Kitas“ zum Einsatz, das am Vortag durch die Mithilfe von vielen jüngeren und älteren Menschen entstand. [Siehe hierzu den Rückblick vom 14. Juli 2020.] Außerdem hielt eine Person aus Initiative eine Vielzahl an Puppen in der Hand, um auf die Situation des Personals in Kindertagesstätten hinzuweisen: Der schlechte Personalschlüssel für Kindertagesstätten verlangt zu viel Verantwortung bei zu niedriger Bezahlung vom Personal ab. 

Wir berichten über den weiteren Verlauf der Petition.

14. Juli 2020: Mal-Aktion für die Petition „Für mehr Personal und finanzielle Mittel für Kindertagesstätten in Thüringen“

In weniger als vier Wochen unterschrieben mehr als 1700 Menschen in Thüringen die Petition für eine bessere Ausstattung der Kitas. [Siehe hierzu auch unser Rückblick vom 3. Juli 2020 und vom 5. Juni 2020.] Mit den Forderungen nach einer Erhöhung der finanziellen Mittel und des Personals soll nicht nur eine Aufwertung der Sorgearbeit in Kitas, sondern auch eine Entlastung der Eltern erreicht werden. Denn wir setzen uns für ein gesellschaftliches Miteinander ein, in dem die Sorge um Menschen im Zentrum steht.

Für die Übergabe der Petition am 15. Juli 2020 an den Bildungsminister und den Landtag fand vorher unter anderem noch eine künstlerische Aktion statt: Auf dem Holzmarkt in Jena sammelte das Jenaer Frauen*Streik-Bündnis auf einem großen Banner die Handabdrücke von jüngeren und älteren Menschen. Auf diese Weise soll der dringende Handlungsbedarf in Bezug auf die Situation in Kindertagesstätten untermalt werden. Diese Aktion bot auch noch mal einen guten Moment, um zusammen in einen Austausch über Erfahrungen und Wünsche in Bezug auf die Situation in Kindertagesstätten zu kommen. Denn: 8. März ist alle Tage!

3. Juli 2020: Erfolgreiche Unterschriftensammlung für die Petition „Für mehr Personal und finanzielle Mittel für Kindertagesstätten in Thüringen“

Die AG Bezahlte/ Unbezahlte Sorgearbeit organisierte zusammen mit anderen Akteur*innen die Petition „Für mehr Personal und finanzielle Mittel in den Kindertagesstätten in Thüringen“. Denn bereits vor der Corona-Krise zeigte sich beispielsweise, dass Pädagog*innen eine zu geringe Entlohnung erhalten, befristete Arbeitsverträge bekommen und einen wachsenden Aufgabenbereich erfüllen müssen. [Siehe auch den Bericht hierzu vom 5. Juni 2020 in unserem Rückblick.]

Die 1711 Unterschriften aus Thüringen (1861 Unterschriften insgesamt) überschreiten deutlich die notwendige Anzahl von 1500 Stimmen. Am 15. Juli 2020 hat nun die AG Bezahlte/ Unbezahlte Sorgearbeit des Frauen*Streiks zusammen mit den Mitstreiter*innen die Möglichkeit, die Petition dem Petitionsausschuss in Erfurt zu übergeben und das Anliegen persönlich vorzutragen. Nähere Informationen hierzu findet ihr unter unseren Terminen. Doch nicht nur diese große Beteiligung, welche auf den Handlungsbedarf in Kindertagesstätten verweist, war ein Erfolg. Bei der Unterschriftensammlung kam es zu zahlreichen interessanten Gesprächen/ Beiträgen über die Situation in Kindertagesstätten und zu neuen Vernetzungen.

Schön, dass wir uns zusammen für mehr Personal und finanzielle Mittel für Kindertagesstätten in Thüringen einsetzen.

30. Juni 2020: Zweites Sozialpolitisches Forum in Jena

Am Donnerstag, den 11. Juni 2020 fand bereits ein Sozialpolitisches Forum am Faulloch statt, wie ihr auch in unserem Rückblick nachlesen könnt [einfach runterscrollen zum 11. Juni 2020]. Bei diesem Treffen ging es hauptsächlich um die Frage, was nach der Krise anders sein soll als vor der Krise: Die vielschichtigen Probleme des Alltags standen im Mittelpunkt. Die Teilnehmenden diskutierten beispielsweise über das marode Gesundheitssystem, Löhne am Existenzminimum, fehlende Anerkennung für bezahlte und unbezahlte Sorgearbeit. 

Nach diesem gut besuchten Auftakt ging es in der zweiten Runde am 30. Juni 2020 um die Frage „Welche sozialen Kämpfe wollen wir wegen und trotz der Krise führen?“. Ein besonderer Schwerpunkt lag dabei auf bezahlter und unbezahlter Sorgearbeit. Anlehnend an die Titelfrage nahm die Diskussion um die Umsetzung von Forderungen einen wichtige Rolle ein. Hier ging es darum, voneinander zu lernen und miteinander in einen Austausch über erfolgreiche Aktionsformen zu kommen. Denn eine Zukunft ohne die (gerade) erfahrbaren Probleme und Herausforderungen ist nur durch soziale Kämpfe zu erreichen.

Auch das Frauen*Streik-Bündnis Jena war wie beim ersten Sozialpolitischen Forum wieder Teil der Vorbereitungsgruppe und unter den Teilnehmenden, um explizit auch eine feministische Perspektive reinzutragen. Zu Beginn der Veranstaltung stellte sich das Bündnis vor und berichtete von den Kämpfen und Erfolgen. Auch die Beschäftigten vom UKJ und Akteur*innen von Iberoamerica erzählten von ihrer Arbeit. 

Am 15. Juli 2020 um 18 Uhr soll es bei einem dritten Forum erneut unter freiem Himmel die Möglichkeit geben, sich auszutauschen. Bei diesem Zusammenkommen berichten dann die IG Metall und die Bürgerinitiative für soziales Wohnen in Jena von ihren aktuellen Kämpfen. Die Teilnahme an den ersten beiden Foren ist keine Voraussetzung, denn wir wollen immer weiter voneinander lernen – von unseren Erfahrungen aus dem Alltag, von bereits geführten Kämpfen, von unseren Ideen einer besseren Gesellschaft. Eine Einladung findet sich bei unseren Terminen.

26. Juni 2020: Geburtstag des Frauenzentrums TOWANDA

In diesem Jahr blickt das Frauenzentrum TOWANDA in Jena auf ein 30-jähriges Bestehen zurück und feierte dieses Jubiläum auf dem Holzmarkt. Das TOWANDA setzt sich unter anderem für ein selbstbestimmtes und gewaltfreies Leben für Frauen ein. Ein offenes Mikrofon ludt die Menschen ein, ein paar Grußworte und Glückwünsche an das Frauenzentrum in Jena zu auszusprechen. Auch der Frauen*Streik nutzte diese Möglichkeit, um dem TOWANDA zu gratulieren und für die vergangenen 30 Jahre zu danken:
„Wir danken euch für die Arbeit, die ihr gegenwärtig leistet – mit der Idee, eine feministische Gesellschaft zu gestalten. Aber wir danken euch insbesondere heute an eurem Jubiläum für die vergangenen Jahre. Denn der Wunsch nach einer solidarischen und feministischen Gesellschaft braucht nicht nur Projekte, die in der Gegenwart ansetzen und nicht nur Ideen, die sich auf die Zukunft beziehen. Es braucht den Bezug zu vergangenen Kämpfen und Diskussionen, um aus diesen zu lernen und auch Bestärkung daraus zu ziehen, dass bereits mehrere Menschen für feministische Ideen einstanden. Danke, dass wir als Frauen*Streik eure Räume nutzen können. Nicht nur eure faktische Räume, die ihr uns als Frauen*Streik in eurem Gebäude zur Verfügung stellt, damit wir uns dort treffen können. Sondern danke vor allem auch für die feministischen Gedankenräume, die entstanden, weil ihr in der Vergangenheit mühselig in Jena Mauern eingerissen habt, sodass Praxis und Theorie heute an diese erkämpften Errungenschaften anknüpfen können.“

Wir wünschen dem Frauenzentrum alles Gute und freuen uns, auch zukünftig voneinander und miteinander zu lernen.

11. Juni 2020: Sozialpolitisches Forum in Jena

Zusammen mit einem lokalen Bündnis, zu dem auch verschiedene Gewerkschaften und die „Bürgerinitiative für soziales Wohnen“ gehörten, rief der „Frauen*Streik“ aus Jena zu einem Sozialpolitischen Forum auf. Rund 65 Menschen nahmen an dieser Veranstaltung teil. Ziel dieser Veranstaltung im Fauloch war es, gemeinsam mit interessierten Menschen in einen Austausch darüber zu kommen, was schon vor der Krise um die Pandemie problematisch war und sich nun aufgrund dieser noch weiter verschärft(e). Es ging also auch explizit darum, den sogenannten „Normalzustand“ vor der Krise kritisch zu hinterfragen.

Aus diesem Grund sprachen beim Forum zu Beginn auch Vertreter*innen aus dem Universitätsklinikum Jena (UKJ), die bereits vor der Krise für bessere Arbeitsbedingungen kämpften und dies auch noch weiterhin innerhalb der bundesweiten Gruppe „Krankenhaus statt Fabrik“ tun. [Die Arbeitsgruppe UKJ des Frauen*Streiks unterstützt schon seit einer geraumen Weile diese Kämpfe.] Im Anschluss daran gab es in kleineren Runden die Möglichkeit, sich konkret über die bestehenden Herausforderungen im Alltag auszutauschen und sich gegenseitig zu erzählen, was nach der Krise anders sein soll. Einige berichteten beispielsweise von Mehrfachbelastungen, die sich aus der wegfallenden Kinderbetreuung und den trotzdem weiterlaufenden Verantwortungen ergaben. Damit diese Erfahrungen und Ideen als Orientierung für zukünftiges Handeln dienen können, wurden die Gruppenergebnisse anschließend noch mal thematisch geordnet und in grißer Runde vorgestellt. Es gab hier den Raum, um Nachfragen zu stellen und Ergänzungen reinzutragen.

Auch der lokale Fernsehsender JENA TV berichtete über diese Veranstaltun. In diesem Beitrag erzählen auch zwei Personen vom Frauen*Streik unter anderem, welche Auswirkung die Krise auf die unbezahlte und bezahlte Sorgearbeit hat.

Das Sozialpolitische Forum gilt aber nur als ein Auftakt, denn am 30. Juni 2020 um 18 Uhr soll es erneut unter freiem Himmel die Möglichkeit geben, sich auszutauschen. Bei diesem Zusammenkommen steht dann die Frage im Mittelpunkt, wie es zu einer gemeinsamen Umsetzung der gesammelten Ideen kommen kann – hin zu einer solidarischeren Gesellschaft. Die Teilnahme am ersten Forum ist aber keine Voraussetzung, eine Einladung findet sich bei unseren Terminen. [Der Frauen*Streik beschäftigt sich aber nicht nur im Zuge des Sozialpolitischen Forums mit Lebensbereichen, die sich insbesondere aufgrund der Krise noch mal verschärfen. So organisiert beispielsweise die Arbeitsgruppe „Unbezahlte und bezahlte Sorgearbeit“ gerade eine Petition, die bessere Bedingungen in Kindertagesstätten fordert.]

5. Juni 2020: Auftakt der Petition „Für mehr Personal und finanzielle Mittel für KiTas in Thüringen“

Die Arbeitsgruppe Unbezahlte/ Bezahlte Sorgearbeit innerhalb des Frauen*Streiks setzt sich für eine solidarische und selbstbestimmte Sorgeabeit ein, bei der die Bedürfnisse der Menschen im Zentrum stehen und nicht die Profitmaximierung. Insbesondere in Zeiten der Krise ist es wichtig, dass unter anderem mehr finanzielle Mittel und mehr Personal in den Kindertagesstätten zur Verfügung stehen. Denn um Infektionsschutz sowie qualitative pädagogische Arbeit gewährleisten zu können, braucht es nun erst recht bessere Rahmenbedingungen. Aus diesem Grund erstellte die Arbeitsgruppe eine Petition, um die erarbeiteten Forderungen in den Thüringer Landtag zu tragen, damit das Land Thüringen zusammen mit den Kommunen mehr Verantwortung für gute pädagogische Arbeit in KiTas übernimmt.

Die Petition läuft nicht nur online, sondern die Arbeitsgruppe ist auch zusammen mit anderen Unterstützer*innen auf der Straße, um direkt mit Passant*innen über dieses Thema ins Gespräch zu kommen und Unterschriften zu sammeln.

Die Petition könnt ihr bis zum 3. Juli 2020 ausfüllen und gerne auch an Nachbar*innen, Freund*innen, Kolleg*innen und so weiterleiten. Hier findet ihr auch noch mal konkretere Informationen zu der gegenwärtigen Situation und die sich hieraus ergebenden Forderungen: Für mehr Personal und finanzielle Mittel für Kindertagesstätten in Thüringen!

1. Mai 2020: Kundgebung für einen feministischen 1. Mai

Der 1. Mai ist traditionell der „Tag der Arbeit“. Der Frauen*Streik veranstaltete zu diesem Tag eine Kundgebung auf dem Holzmarkt in Jena, um eine feministische Perspektive auf diesen geschichtsträchtigen Tag und damit auf die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen von Arbeit zu
werfen.
Die Redebeiträge kritisierten die strukturellen Benachteiligungen von Frauen* in der Erwerbssphäre, die sich mit der pandemischen Krise noch weiter verschärften. Zudem übten die Redebeiträge auch Kritik an dem engen, nicht der Realität entsprechenden Arbeitsbegriff und weitete diesen aus. Denn auch unbezahlte und oft unsichtbar gemachte Tätigkeiten, wie beispielsweise die Erledigung der Hausarbeit und die Kindererziehung, sind Arbeit und müssen daher nicht nur eine gesellschaftliche, sondern auch eine finanzielle Wertschätzung als solche erfahren. (Diese Arbeiten werden häufig auch als „Reproduktionsarbeiten“ oder als unbezahlte Sorgearbeit bezeichnet, um sie von der bezahlten „Erwerbs- oder Produktionsarbeit“ abzugrenzen.)
Aus dem Redebeitrag des Frauen*Streiks hierzu: „Der 1.
Mai, der internationale Arbeiter*innenkampftag, sollte nicht bloß Lohnarbeit, sondern auch die Sorgearbeit betreffen. Mehrheitlich von Frauen und Queers ausgeübt – darunter viele Migrant*innen -, wird diese Arbeit meist schlecht oder gar nicht bezahlt. Während aber die bezahlte Sorgearbeit – im Zuge der Corona-Krise – endlich als systemrelevant erkannt wurde, bleibt die unbezahlte Sorgearbeit weiterhin verdeckt – und das, obwohl sie im Zuge der Krise noch mehr Kapazitäten erfordert: Wer kümmert sich gerade um die Kinder, die nicht Anspruch auf
Notbetreuung haben? Wer kocht das Essen für alle, wenn Kantinen und Mensen geschlossen sind? Wer geht für die Oma einkaufen? Es sind vor allem Frauen und Queers.“

Aus dieser Kritik heraus formulierte der Frauen*Streik vor einem großen Publikum, das auch dem starken Regen trotzte, verschiedene Forderungen.

Ein Ausschnitt:
– keine finanziellen Kürzungen im sozialen Sektor, sondern dauerhafte finanzielle Absicherung
– keine rassistische, geschlechtliche oder klassenbezogene Verteilung der Sorgearbeit, sondern eine Verteilung auf alle
– Abschaffung der Fallpauschalen und eine bedarfsgerechte Finanzierung der Gesundheit

Der Frauen*Streik Jena beschäftigt sich kontinuierlich mit der Frage, wie eine gerechte Organisation und Verteilung von Arbeit aussehen kann. Beispielsweise unterstützte der Frauen*Streik im Frühling 2020 den Streik in der Wäscherei Elis in Neustadt an der Orla, bei dem
Beschäftigte eine Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen forderten. [Dies ist auch bald in unserer Chronik zu finden.]

Frühling 2020: Auslegen von informativen Flyern vom vom „Jenaer Netzwerk gegen Häusliche Gewalt“

Im Frühling 2020 hing die AG „Gewalt gegen Frauen*“ in verschiedenen Läden themenspezifische Plakate auf und legte diese an öffentlichen Orten zur freien Verfügung aus. [Siehe auch den Rückblick hierzu]. Neben dieser Sichtbarmachung von häuslicher Gewalt und dem
Aufruf nach einer solidarischen Unterstützung von Betroffenen suchte die AG zusammen mit dem Frauenhaus Jena verschiedene Ärzt*innenpraxen auf, um dort Flyer vom „Jenaer Netzwerk gegen Häusliche Gewalt“ zu verteilen.

Das Jenaer Netzwerk gegen Häusliche Gewalt gründete sich im Jahr 2004 und ist ein Zusammenschluss von lokalen Institutionen, Behörden und Beratungsstellen. Anliegen dieses Netzwerks ist es unter anderem, in einer Zusammenarbeit wirksame Maßnahmen gegen häusliche
Gewalt zu entwickeln und die Öffentlichkeit für dieses Thema zu sensibilisieren.

Die AG „Gegen Gewalt an Frauen*“ versucht in einer kontinuierlichen Arbeit auf das Thema der (häuslichen) physischen und/ oder psychischen Gewalt hinzuweisen und dieser entgegen zu wirken.

Frühling 2020: Sensibilisierung für Häusliche Gewalt

Schon im vergangenen Jahr am „Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen* (25. November 2019) thematisierte der Frauen*Streik Jena die verschiedenen Gewalterfahrungen, die FLINT*-Personen [Frauen, Lesben, Trans und Inter] in einer Welt machen, von der Männer profitieren. [Siehe hierzu auch bald den Rückblick.] Mit der Krise rund um Corona spitzt sich diese Situation weiter zu. Es ist wichtig, dass wir alle in diesen Zeiten auf die Infektionsgefahr achten und aus diesem Grund mögliche Ansteckungsketten verhindern. Doch die überall verbreitete Handlungsempfehlung „stay at home“ (engl. „Bleib(t) zuhause“) greift zu kurz und verschleiert andere gesellschaftliche Missstände. Sie vermittelt, dass der öffentliche Ort eine Gefahr darstellt, während der private Raum (im gesellschaftlichen Verständnis meist der familiäre Wohnraum) Sicherheit verspricht. Doch Studien beweisen, dass körperliche und psychische Gewalt gegenüber FLINT*-Personen meist durch Angehörige oder Bekannte aus dem Nahumfeld erfolgt. Der gerade vorherrschende Rückzug ins Private fördert dies. Aus diesem Grund ist es derzeit umso wichtiger, sich gemeinsam gegen häusliche Gewalt zu organisieren und bei möglichen Übergriffen einzugreifen, indem Verantwortung und Solidarität über den eigenen „Haushalt“ hinausreicht: Schaut nicht weg, fragt nach, bietet Unterstützung an.

In Zusammenarbeit mit den Falken Jena hing die AG „Gewalt zu Hause (in der Coronakrise)“ die Plakate zu „Häuslicher Gewalt“ von e*vibes unter dem Einverständnis von Ladenbesitzer*innen sichtbar in deren Räumlichkeiten auf und legte diese zur freien Verfügung an öffentlichen Orten aus. (Siehe Bild, die Plakate stehen in mehreren Sprachen zur Verfügung.) Auch in diesem Jahr wird es am 25. November eine Aktion gegen Gewalt an FLINT*-Personen geben. Zudem weist eine digitale Mahnwache auf dem Facebookauftritt des Frauen*Streiks an jedem 25. des Monats in Anlehnung an den „Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen“ auf dieses Thema hin. Denn die Sensibilisierung für (häusliche) Gewalt gegen Frauen* und der Widerstand gegen diese muss jeden Tag erfolgen.

1. April 2020: Online-Demo in Solidarität mit den Beschäftigten am UKJ

Die Krise rund um Corona verstärkte oftmals bereits vorher bestehende gesellschaftliche Missstände, beziehungsweise machte diese noch sichtbarer. Und macht zudem deutlich, auf welche gesellschaftlichen Bereiche wir nicht verzichten können. Auch in Krankenhäusern verschärft(e) sich die Lage, so auch am Universitätsklinikum Jena, zu dem durch die AG UKJ und das Bündnis „Mehr Personal für unser UKJ“ seit längerem eine Zusammenarbeit besteht. Bereits vor der Krise waren Beschäftigte überlastet und kämpften für einen Entlastungstarifvertrag. Die veränderten Arbeitsbedingungen unter Corona verfestigten dieses Problem. Neben diesem Problem traten andere strukturelle Probleme noch einmal deutlicher hervor.

Eine situative (verbale) Wertschätzung der Arbeit und Applaus von den Balkonen sind sicherlich gut gemeint, reichen hier aber nicht aus. Eine grundlegende Verbesserung der Arbeitsbedingungen in diesem Bereich und damit auch ein verantwortungsbewusstes Gesundheitssystem erreichen wir nur, wenn die schon vor der Krise formulierten Forderungen der Beschäftigten eine Verwirklichung finden. Und das ist unter anderem im Fall vom UKJ die Einstellung von mehr Personal. [Siehe hier auch bald den Rückblick auf die Arbeitskämpfe insbesondere Zeitraum von Juni bis Oktober 2019].

Einzelpersonen rund um den Frauen*Streik Jena riefen deswegen zu einer Online-Demonstration im Rahmen von digitalen Solidaritätsbekundungen auf, die eine grundlegende Veränderung fordern und das Personal bei ihren kommenden kämpfen unterstützen sollten. Denn das Personal in den Gesundheitsberufen braucht unsere Unterstützung nicht (nur) kurzfristig von den Balkonen aus, sondern unsere Solidarität (auch) auf der Straße bei den kommenden Arbeitskämpfen. Das in diesem Zuge entstandene Video ist hier (link) zu sehen.

Die organisierten Beschäftigten des UKJ’s sind seit diesem Jahr (2020) auch Teil von „Krankenhaus statt Fabrik“, um sich in einem größeren und bundesweiten Bündnis für eine bessere Gesundheitspolitik und vor allem die Abschaffung des Fallpauschalensystems einzusetzen. #menschenstattprofite

12. März 2020: Filmvorführung und Diskussion „Der Frauenstreik geht weiter“

8. März 2020: Frauen*kampftag/-streik

4. März 2020: Filmvorführung und Diskussion „Frauen bildet Banden“

Am 4. März zeigte der „Frauen*Streik. Auf zum feministischen Streik“ den Film „Frauen bildet Banden“ vom „FrauenLesbenFilmCollectifs LasOtras“ im Kino am Holzmarkt. Es handelt sich hier um die zweite Vorführung in der Filmreihe des Frauen*Streiks, welche mit dem Film „Luft zum Atmen“ begann (siehe bald ebenfalls in unserem Rückblick.)

Der Film „Frauen bildet Banden“ beschäftigt sich mit der „Roten Zora“, welche sich als militante Frauengruppe in den 1970er und 1980er Jahren in der BRD klandestin organisierte. Mit ihren verschiedenförmigen Aktivitäten richtete sie sich gegen die patriarchale Herrschaft, welche sich unter anderem in der alltäglichen Gewalt gegen Frauen, der Bevölkerungspolitik und den internationalen Ausbeutungsbedingungen zeigt(e). Der Film ermöglicht durch die Erzählungen von Zeitzeug*innen und die historischen Aufnahmen einen Einblick in die damalige Frauenbewegung, in der Selbstermächtigung und der Bruch mit Friedfertigkeit eine bedeutende Rolle spielen.

Der Film selbst, aber auch die anschließende Diskussion im vollen Publikumssaal mit einer* der Regisseur*innen zeigte, wie aktuell die Themen der „Roten Zora“ auch heute noch sind und wie wichtig es ist, aus vergangenen Strategien und Organisierungsformen generationenübergreifend zu lernen. Die Filmvorführung war ein guter Anlass, um sich vor dem 8. März 2020 noch mal gemeinsam mit der Geschichte der Frauenbewegung zu beschäftigen und Bestärkung zu erfahren – ganz nach dem Motto: 8. März ist alle Tage.

Über die Seite des Filmkollektivs „FrauenLesbenFilmCollectifs LasOtras“ findet ihr noch mehr Informationen konkret zu diesem Film, aber auch zum Kollektiv an sich.

18. Februar 2020: Aktionstag mit den Beschäftigten der Wäscherei Elis in Neustadt an der Orla

17. – 19. Januar 2020: Bundesweites Vernetzungstreffen der F*Streiks in Jena

Nachdem die ersten beiden Treffen im November 2018 in Göttingen und im Februar 2019 in Berlin stattfanden, lud das Frauen*Streik Bündnis Jena im Januar 2020 zum dritten bundesweiten Vernetzungstreffen nach Jena
ein. [Den Rückblick zu den ersten beiden Treffen findet ihr bald ebenfalls in dieser Chronik.]

Das Ziel des gemeinsamen Wochenendes im
Jugendclub „Hugo“ war es nicht, sich auf gleiche inhaltliche und
methodische Ausrichtungen festzulegen, denn die einzelnen Ortsgruppen
arbeiten dezentral und orientieren sich an den lokalen
Rahmenbedingungen. Es ging vielmehr darum, bereits gesammelte
Erfahrungen aus den Vorjahren zu teilen, um so voneinander zu lernen und
miteinander zu wachsen. Beispielsweise gab es rege Diskussionen, welche
Möglichkeiten der politische Streik bieten und wie eine Organisierung
aussehen kann, damit sich möglichst viele Menschen mit ihren
Lebensrealitäten und Biografien einbringen können. Außerdem gab es auch konkret eine Einheit zum „8. März 2020“, der vom Ausrichtungsdatum des dritten bundesweiten Vernetzungstreffens nur knapp zwei Monate entfernt war.

Das nächste bundesweite Vernetzungstreffen findet in digitaler Form im November 2020 statt, denn auch in diesen Zeiten oder gerade insbesondere in diesen Zeiten ist es wichtig, miteinander in Kontakt zu bleiben. Fragen könnten sein: Wie läuft gerade die Arbeit in den einzelnen Städten (in diesen pandemischen Zeiten)? Wie kann eine Zusammenarbeit im kommenden Jahr aussehen.

Auch Jena nimmt an diesem Treffen teil – wir sind gespannt und freuen uns.

November 2019: Soldarische Buttons für die Beschäftigten des Uniklinikums Jena

25. November 2019: Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen

18. Oktober 2019: Union Tour: Nähfabriken in Asien

September/ Oktober 2019: Begleitung und Unterstützung der Tarifauseinandersetzungen am Uniklinikum Jena

17. Oktober 2019: Organisation einer solidarischen Mittagspause und Kundgebung für die Beschäftigten des Uniklinikums Jena

4. Oktober 2019: Unterstützung des Warnstreiks am Uniklinikum Jena

3. September 2019: Teilnahme am Krankenhausratschlag im Landtag Erfurt

20. Juni 2019: Gründung des Bündnisses „Mehr Personal für unser UKJ“

12. Juni 2019: Filmvorführung und Gespräch „Luft zum Atmen“

Am 11. Juni 2019 zeigte der Frauen*streik zusammen mit der Gewerkschaft FAU Jena (Freie Arbeiterinnen und Arbeiter Union) vor einem vollen Kinosaal im ‚Kino am Markt‘ den Film ‚Luft zum Atmen‘. Dieser Film kommt aus der Produktion von ‚labournet.tv‘, welches es sich zur Aufgabe gemacht hat, Arbeitskämpfe festzuhalten und sichtbar zu machen. Der Film ‚Luft zum Atmen‘ beschäftigt sich mit dem Wirken der „Gruppe oppositioneller Gewerkschaftler“ (GoG), die 1972 bei Opel in Bochum von Arbeitern*innen und Revolutionär*innen gegründet wurde. Neben verschiedenen radikalen Aktivitäten organisierten sie zusammen mit der Belegschaft 2004 einen Wilden Streik, der die Produktion in ganz Europa zum Erliegen brachte. [Als Wilden Streik bezeichnet man eine kollektive Arbeitsniederlegung, welche ohne die Unterstützung von Gewerkschaften erfolgt.] Nähere Informationen und auch den Trailer findet ihr hier.

Es ist uns wichtig, uns mit den damals Streikenden zu solidarisieren und die Möglichkeit eines Wilden Streiks durch eine praktische Umsetzung greifbarer zu machen. Außerdem konnten wir insbesondere durch die anschließende Diskussion, bei der auch die Regisseurin und ein damals
Streikender anwesend waren, aus diesem Streik lernen: Von Organisationsformen, die erfolgreich waren und aus Fallstricken, die wir auch gegenwärtig mitdenken müssen. Es blieben trotzdem viele Fragen offen, denen wir uns weiterhin widmen. Beispielsweise: Wie bindet man auch das persönliche Nahumfeld um die Streikenden in den Streik ein, welches während dem Streik unter anderem auch die emotionalen Herausforderungen und die Verantwortung im sogenannten privaten Bereich mitträgt?

Dies war der erste Film einer Filmreihe. Es folgten: „Frauen bildet Banden“ (4. März 2020) und „Der Frauenstreik geht weiter“ (12. März 2020), was auch (bald) im Rückblick nachzulesen ist.

12. Mai 2019: Stand und Redebeitrag bei der Mietparade in Jena

1. Mai 2019

8. März 2019: Frauen*Streik in Jena

2. März 2019: Vortrag und Austausch mit einer Streik-Aktivistin aus Barcelona (Spanien)

25. Februar 2019: Redebeitrag bei der Warnstreikdemo zur Tarifverhandlung des öffentlichen Dienstes

15. – 17. Februar 2019: Teilnahme am 2. bundesweiten Treffen in Berlin

10. – 11. November 2018: Teilnahme am 1. bundesweiten Treffen in Göttingen

10. Oktober 2018: Gründungstreffen F*Streiks Jena im Ketzal