Was ist der Frauen*streik?

Grafik zum Frauen*streik am 08. März

Für einen kontinuierlichen Widerstand – denn unsere Stärke liegt in der sichtbaren und solidarischen Vernetzung von verschiedenen Kämpfen

Die Idee am 8. März (Internationaler Frauen*tag) sämtliche Arbeiten niederzulegen, Druck auf gesellschaftliche und ökonomische Strukturen auszuüben, ein Zeichen zu setzen und sich für eine bessere Gesellschaft einzusetzen, geht um die Welt.

Auch für 2020 haben bereits viele Frauen* verschiedenster Regionen der Welt in Anknüpfung an vergangene Proteste ihren Streik angekündigt. Sie stehen auf gegen Gewalt und gegen Entrechtung und Ausbeutung von Frauen und Queers1.

Auch in Jena schließen wir uns dieser weltweiten Bewegung an und streiken am 8. März. Was es mit einem Frauen*streik auf sich hat, was wir fordern, wer wir sind – und was Dein Streik sein könnte, findest Du hier in Kürze.

Frauen* streiken.
Wir legen die Arbeit nieder.

Mit unserem Streik verweigern wir uns der Rolle, die uns bereits seit Jahrhunderten zugeschrieben wird und die wir nicht selbstbestimmt gewählt haben: die Rolle eher die Hausarbeit zu übernehmen, die Rolle sich für die Kinder verantwortlich zu fühlen, die Rolle sich eher für andere aufzuopfern – die Rolle eher für bestimmte Jobs geeignet zu sein, die Rolle schlechter bezahlt zu werden und eine schlechtere Altersabsicherung zu haben – die Rolle oft immer noch finanziell abhängig von Männern zu sein.

Wir sind aber die Hälfte der Bevölkerung und wollen selbstbestimmt leben! Mit dem Frauen*streik machen wir deutlich, welche Arbeiten wir täglich oft unsichtbar übernehmen und was passiert, wenn wir sie verweigern. Wir fordern bessere Arbeitsbedingungen und -entlohnung sowie ein grundsätzlich anderes Miteinander, in dem das Geschlecht egal ist und alle gleichberechtigt und aufeinander achtend leben.

Es geht also nicht nur um Lohnarbeit, sondern auch um den großen Anteil der unbezahlten Arbeit, die wir oft Zuhause verrichten. Frauen* leisten durchschnittlich über 31 Stunden unbezahlte Arbeit in der Woche! Sie pflegen Kinder und Alte, putzen, kochen und wissen was im Kühlschrank fehlt.

Wenn wir streiken, steht die Welt still.

Wir rufen daher alle Frauen* auf, mit uns die Arbeit am 8. März niederzulegen. Mit Frauen* wollen wir sichtbar machen, dass es hier nicht um ein biologisches Geschlecht geht. Uns geht es um die zugeschriebenen gesellschaftlichen Rollen. Auch Menschen, die nicht so sehr von diesen Lebensbedingungen betroffen sind, möchten wir ermutigen, sich solidarisch zu zeigen und sich unserem Streik anzuschließen. Eine andere Gesellschaft ermöglicht allen den Raum zu mehr Selbstbestimmung.

Frauen*streiks sind keine neue Erfindung. Frauen* haben bereits vor 200 Jahren die Arbeit niedergelegt und haben für bessere Arbeitsbedingungen gekämpft. Als erster Frauen*streik wird oft der erfolgreiche Arbeitskampf von Arbeiterinnen der Stoffveredelung in Wien 1893 gesehen. 1974 streikten 90% der isländischen Frauen und legten die Hausarbeit und Lohnarbeit nieder. 2018 streikten über 5 Millionen Frauen in Spanien – darüber hinaus auch in Argentinien und Polen. Auch in Deutschland streikten 1994 bereits Frauen unter dem Motto „Uns reichts!“ Über den Streik können wir verschiedene Kämpfe solidarisch miteinander verbinden, Missstände in die Öffentlichkeit tragen und Veränderungen herbeiführen!

Dieses Jahr wird nur der Anfang sein – 2020 geht es weiter! Bundesweit haben sich bereits fast 40 Gruppen und Bündnisse gebildet, die in ihren Städten und Regionen einen Streik organisieren. Wir sind alle miteinander verbunden, sprechen uns ab und treffen uns in bundesweiten Koordinationstreffen und haben das Ziel, langfristige Strukturen aufzubauen. Jedoch handelt und entscheidet jede Gruppe für sich, wie sie ihren Frauen*streik organisiert.

 

1 Queer kann als Überbegriff für alle sexuellen Orientierungen und Geschlechtsidentitäten gelten, die nicht der gesellschaftlichen Norm von Geschlecht und Sexualität entsprechen. Queer beschreibt damit aber auch eine Denkrichtung, die sich gegen dieses Schubladendenken wehrt.

* Mit dem * machen wir sichtbar, dass es nicht um ein biologisches Geschlecht geht, sondern um die zugeschriebenen gesellschaftlichen Rollen.

Logo Frauen*streik