Aktuelle Nachrichten vom Frauen*Streik Jena

Aktuelle Projekte

Die Pandemie und die Vorkehrungen zur Verlangsamung dieser hat(te) einen großen Einfluss auf das gesellschaftliche Miteinander: Beispielsweise treten vorher schon bestehende Ungleichheiten deutlicher in die Öffentlichkeit und verschärfen sich, zwischenmenschliche Begegnungen unterliegen bestimmten Sicherheitsvorkehrungen und die Gefahr der Vereinzelung steigt, Arbeitsverhältnisse sind oftmals (noch) prekärer und professionelle Soziale Arbeit muss nun in familiären/ anderen Strukturen abgefangen werden… Aus diesen GründenFoto Frauen*streik 2020 arbeiten wir auch nach dem 8. März [Internationaler Frauen*tag] an den bestehenden Projekten weiter, aber beschäftigen uns gerade auch mit (geschlechterspezifischen) Ungleichheiten, die diese Krise verschärft und mit sich bringt.

Wir stellen uns die Frage, wie wir als Bündnis „Frauen*Streik. Auf zum feministischen Streik“ auf diese Herausforderungen reagieren, aber auch neue Impulse hin zu einer solidarischen Gesellschaft setzen können. Denn nicht trotz dieser Krise, sondern gerade aufgrund der Krise sehen wir die Notwendigkeit, unserem Motto treu zu bleiben: 8. März ist alle Tage!

Hier sind ein paar Beispiele der laufenden Projekte:

  • Im vergangenen Jahr erarbeitete die Arbeitsgruppe „Unbezahlte/ Bezahlte Sorgearbeit“ innerhalb des Frauen*Streiks die Petition „Für mehr Personal und finanzielle Mittel für Kindertagesstätten in Thüringen“. Bereits vor der Corona-Krise zeigte sich unter anderem, dass Pädagog*innen eine zu geringe Entlohnung erhalten, befristete Arbeitsverträge bekommen und einen wachsenden Aufgabenbereich erfüllen müssen. Die Situation rund um die Kindertagesstätten verschärfte sich mit der Corona-Krise. In den vergangenen Monaten kamen wir zu diesem Thema mit vielen Menschen ins Gespräch und sammelten zahlreiche Unterschriften. In diesem Jahr erkannte der Petitionsausschuss des Thüringer Landtags die Petition an und der Weg ist frei für eine Anhörung. Noch ist aber unklar, wann die Anhörung stattfindet und ob diese öffentlich ist. In der Zwischenzeit arbeiten wir aber weiter daran, dass sich die Verhältnisse in den Kindertagesstätten verbessern.
  • Die Stadt Jena verkündete öffentlich eine sogenannte Haushaltsnotlage und muss nun ein Haushaltssicherungskonzept ( = HSK). Ziel dieses Konzeptes ist es, in den kommenden fünf Jahren die Ausgaben zu senken und die Einnahmen zu erhöhen.
    Das hat große Auswirkungen auf das Leben in der Stadt: Die Kürzungen betreffen beispielsweise die Fördergelder für Vereine, es kommt zu einer Erhöhung der Kita-Gebühren. Der Frauen*Streik verfasste zusammen mit dem Sozialforum einen Offenen Brief und kritisiert diesen Umgang! Diesen findet ihr auch in unserem Rückblick.
    Offener Brief des Sozial
    forums zum Haushaltssicherungskonzept
  • Seit Mitte Dezember des vergangenen Jahres sind die Spielplätze in Jena wieder zu, um die Pandemie einzudämmen. Doch welche Folgen ergeben sich aus diesen Maßnahmen? Wo verbringen die Kinder stattdessen ihre Zeit? Wer übernimmt die Kinderbetreuung? Welche sozialen Ungleichheiten spitzen sich durch diese „Lösung“ noch weiter zu? Mit einem offenen Brief an den Oberbürgermeister wies der Frauen*Streik darauf hin, dass es unbedingt notwendig ist, bei all den Maßnahmen mitzudenken, dass Sorge umeinander und füreinander GESAMTGESELLSCHAFTLICH verteilt sein muss. Die konkreten Forderungen in dem Brief denken den Schutz der Gesundheit aller mit, aber fordert auch ein, dass die Umsetzung der Maßnahmen gesellschaftlich sein muss. Diesen findet ihr auch in unserem Rückblick.
    Offener Brief an den Oberbürgermeister der Stadt Jena
  • Die Arbeitsgruppe „UKJ“ (Universitätsklinikum) des Frauen*Streiks beteiligt seit einem Jahr am Bündnis „Mehr Personal für unser UKJ“, um unter anderem die Arbeitskämpfe der Beschäftigten zu unterstützen. Diese Zusammenarbeit besteht weiterhin, denn die Krise zeigt noch einmal mehr, was vorher schon klar war: Menschen vor Profite! Dieses Bündnis schließt sich bald als Ortsgruppe dem bundesweiten Bündnis „Krankenhaus statt Fabrik“ an, welches unter anderem das Ziel hat, dass „Krankenhäuser […] Einrichtungen der gesellschaftlichen Daseinsvorsorge sein [sollen], keine Wirtschaftsunternehmen.“
  • Die AG §218/ 219a unterstützt den Antrag der parteipolitischen LINKEN Jena, eine Liste über Ärzt*innen in Jena und der näheren Umgebung anzulegen, welche Schwangerschaftsabbrüche durchführen. Diese soll anschließend auf der offiziellen Seite der Stadt Jena veröffentlicht werden. Diese Auflistung ist ein wichtiger Schritt, um (schwangeren) Menschen einen besseren Zugang zu Informationen rund um einen Schwangerschaftsabbruch zu ermöglichen. Zudem ist dies auch ein wichtiger Schritt, um Erwägungen eines oder die Entscheidung für einen Schwangerschaftsabbruch aus der gesellschaftlichen Tabuisierung zu holen. Denn: „My body, my choice.“
  • Auch in diesen Zeiten steht die Arbeitsgruppe „Bundesweit“ über Telefonkonferenzen mit anderen Streikgruppen in Kontakt. Am 14. November fand ein digitales Austauschtreffen zwischen den einzelnen Ortsgruppen statt, indem es nicht nur um den derzeitigen Stand in den jeweiligen Gruppen ging, sondern auch um die besonderen Herausforderungen unserer Arbeit in der Pandemie. Die bundesweiten Treffen dienen dem städteübergreifenden Austausch, um unter anderem gemeinsame Aktionen zu planen und Wissen auszutauschen.

Eine Auflistung der vergangenen Aktionen findet ihr in unserem Rückblick.

Solidarische und feministische Grüße,
Koordinierungskreis des Frauen*Streikbündnis

 

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