Was ist der Frauen*streik?

Warum Streik?

Auch nach über 100 Jahren Kampf werden Menschen immer noch aufgrund ihres Geschlechts (und nicht nur deshalb) diskriminiert und ausgebeutet. Die Liste der Ungerechtigkeiten ist lang und jeden Tag spürbar: Jeden dritten Tag stirbt in Deutschland eine Frau* an geschlechtsspezifischer Gewalt. Täglich werden weltweit mehr als 137 solcher Femizide begangen. Herabwürdigendes sexistisches Verhalten gehört noch immer zum Alltagsleben von Mädchen* und Frauen* jeden Alters. Die Paragraphen §218/219a StGB schränken weiterhin das Informationsrecht, sowie das Recht auf eine sichere und straffreie Abtreibung ein, anstatt unsere körperliche Selbstbestimmung anzuerkennen. Die professionalisierten Sorge-Berufe der Pflege, Reinigung, Gastronomie, Bildung und Erziehung als klassische „Frauen*domänen“ sind gesellschaftlich wenig anerkannt, schlecht bezahlt und werden unter schwierigen Arbeitsbedingungen verrichtet. Der Gender Pay Gap, der den Unterschied zwischen dem Lohn von Männern und Frauen* misst, liegt seit Jahren unverändert bei 21 Prozent. Nach der Verrentung steigt er sogar auf über 50 Prozent. Immer noch wird der größte Teil der unbezahlten Sorgearbeiten von Frauen* verrichtet.

Das hat System. Und wir werden diese Verhältnisse nicht weiter hinnehmen! Wir fordern bessere Arbeitsbedingungen und -entlohnung, sowie grundsätzliche Veränderung des gesellschaftlichen Miteinanders:

Lasst uns gemeinsam streiken. Für eine solidarische, gleichberechtigte und selbstbestimmte Gesellschaft,  in der Geschlecht egal ist und das Leben wieder in den Mittelpunkt rückt.

Unsere Waffe ist unsere Arbeit!

Darum haben wir uns zusammen geschlossen. Vielfältige Aktionen und Demonstrationen der letzten Jahre haben gezeigt, welche Kraft in der feministischen Bewegung steckt. Verändert haben sie noch zu wenig. Nun machen wir uns auf den Weg zum feministischen Streik!

Frauen*streiks sind keine neue Erfindung. Frauen* haben als Arbeiterinnen bereits vor 200 Jahren die Arbeit niedergelegt und für bessere Arbeitsbedingungen gekämpft. Unser Streik wendet sich aber nicht nur gegen Arbeitsbedingungen im Betrieb, sondern auch gegen die Organisation und Verteilung von Arbeit in der Gesellschaft.

Es geht also nicht nur um entlohnte Arbeit, sondern auch um den großen Anteil der unbezahlten Arbeit, die wir oft unsichtbar Zuhause verrichten. Frauen* leisten durchschnittlich über 31 Stunden unbezahlte Arbeit in der Woche! Stell dir vor sie würden diese Arbeit niederlegen. Wer würde dann Kinder und ältere Menschen pflegen, putzen, kochen, wissen was im Kühlschrank fehlt und sich darum sorgen, dass es allen gut geht?

Auf zum feministischen Streik!

Die Idee, am 8. März, dem internationalen Frauen*tag, Arbeiten niederzulegen, Druck auf gesellschaftliche und ökonomische Strukturen auszuüben, ein Zeichen zu setzen und sich für eine bessere Gesellschaft zu engagieren, geht um die Welt. Die derzeitige rechtliche Lage erschwert jedoch solche „politischen Streiks“ in Deutschland und anderswo. Deshalb ist es für viele Frauen* schwierig heute zu streiken.

Wir fordern deshalb nicht nur ein grundsätzliches Umdenken gesellschaftlichen Miteinanders, sondern auch ein selbstbestimmtes Streikrecht. Es ist unsere Arbeitskraft, es ist deswegen auch unser Recht diese niederzulegen!

Wenn wir streiken, steht die Welt still!

Nur Frauen?

Wir reden von Frauen*. Mit dem ‚Sternchen‘ wollen wir jedoch kennzeichnen, dass wir uns mit der Bezeichnung Frau darauf beziehen, dass in dieser Gesellschaft Menschen bei ihrer Geburt in Frauen und Männer (und seit 2018 in divers) eingeteilt werden. Diese Geschlechtseinteilung und die damit verbundenen Rollen entsprechen nicht den vielfältigen Lebensrealitäten von Menschen:

Im Frauen*Streik geht es um die Rechte und Forderungen aller Frauen*, die von patriachalen Strukturen unterdrückt werden, egal ob Trans-, Inter-, Cis-Frauen oder Queers.[1]

Gegen diese Strukturen können wir alle kämpfen, ganz egal welches Geschlecht.

[1] Manche Menschen tragen ganz verschiedene Geschlechtsmerkmale in sich, weibliche wie männliche. Manche Menschen lehnen diese Zuschreibungen (Frau oder Mann) ganz für sich ab (non-binary). Queer kann dabei als Überbegriff für alle sexuellen Orientierungen und Geschlechtsidentitäten gelten, die nicht der gesellschaftlichen Norm von Geschlecht und Sexualität entsprechen. Queer beschreibt damit aber auch eine Denkrichtung, die sich gegen dieses Schubladendenken wehrt. Manche Menschen wachsen aber auch als Frau auf und fühlen sich auch als solche (Cis).